Sein Weg begann in einer Mädchenwohngruppe

Ilay (19) erzählt mit einer Selbstverständlichkeit über seine Transgender-Identität

Von Wolf­gang Bröer. 

Wie offen, kann ich mit ihm (oder ihr?) über ´Trans­gen­der´ spre­chen? Ist das distanz­los, grenz­über­schrei­tend? Wäh­rend mir die Gedan­ken durch den Kopf gehen, öff­net mir der jun­ge Mann die Tür und bit­tet mich freund­lich hin­ein. Ganz schnell kom­men wir ins Gespräch und er lässt mich Anteil haben an sei­nen Erfahrungen.

Seit fast 3 Jah­ren lebt Ilay nun in einem Appart­ment des Jugend­woh­nens. Mit 10 Jah­ren wur­de er als Mäd­chen in der junit­AMI­CA, einer Mäd­chen­wohn­grup­pe, aufgenommen.

Irgend­et­was war anders mit mir

Lan­ge schon merk­te er, dass etwas ´anders ´ ist, konn­te es aber nicht benen­nen. „Ich hat­te schon immer eher Kon­takt zu Jungs und habe mit Autos gespielt“, erzählt Ilay. Im Lau­fe der Puber­tät ist der inne­re Druck grö­ßer gewor­den. Ilay woll­te wis­sen, was mit ihm los ist und hat sich im Inter­net infor­miert. „Trans­gen­der“ — das beschrieb genau, was er emp­fand: Er steck­te als Jun­ge im Kör­per eines Mädchens.

Ein Umzug eröff­net ihm Mög­lich­kei­ten und sein “outing”

In der Mäd­chen­grup­pe war es für ihn schwer, sich als Jun­ge aus­zu­pro­bie­ren. „In einer Wohn­grup­pe mit Jun­gen und Mädchen
hät­te ich mich dies sicher schon eher getraut“, blickt er zurück. „Den­noch war AMICA gut für mich, dort bin ich gereift.“
Mit sei­nem Umzug ins Appart­ment öff­ne­ten sich ihm die Mög­lich­kei­ten. „Am schwers­ten fiel es mir den Betreu­ern, mei­ner Fami­lie und mei­ner The­ra­peu­tin davon zu erzäh­len“, erin­nert er sich. Er hat jedoch erfah­ren, dass es für vie­le ganz nor­mal war damit umzugehen.

Noch nicht am Ziel

Selbst sei­ne Freun­de reagier­ten ganz gelas­sen auf sein „outing“. Nur sei­ner Fami­lie fällt es noch schwer, das zu akzeptieren.
Ilay fühlt sich heu­te als Jun­ge. Über sei­ne alte Iden­ti­tät spricht er ungern. Auch sei­nen Mäd­chen­na­men will er nicht mehr hören.
Er blickt jetzt nach vorn: Fort­set­zung der Hor­mon­the­ra­pie, Namens­än­de­rung und die Geschlechts-OP. Doch bis dahin dau­ert es noch. Er muss sei­ne The­ra­pie fort­füh­ren und benö­tigt noch ein Gut­ach­ten. Das War­ten fällt ihm schwer, gern wäre er schon am Ziel.

Es war ein tol­les Gespräch mit dir, Ilay. Ich habe gelernt, dass „Trans­gen­der“ kei­ne Bar­rie­re ist. Behal­te dei­nen Mut! Ich wünsche
dir viel Glück auf dem Weg zu dir!