Grenzachtender Umgang

Das juni­kum setzt sich seit eini­ger Zeit damit aus­ein­an­der, wie wir Mit­ar­bei­ten­de für einen grenz­ach­ten­den Umgang schu­len und eine gemein­sa­me Hal­tung dies­be­züg­lich ent­wi­ckeln können.

Brit­ta Klei­ne (Bereichs­lei­tung Päd­ago­gik) hat 2012 ihre Wei­ter­bil­dung zur Prä­ven­ti­ons­ma­na­ge­rin beim Insti­tut für Psy­cho­lo­gie und Bedro­hungs­ma­nag­ment abge­schlos­sen. In ihrer Rol­le als Prä­ven­ti­ons­ma­na­ge­rin ist sie dafür zustän­dig, Struk­tu­ren und Maß­nah­men für eine Kul­tur grenz­ach­ten­den Umgangs und eine gewalt­freie Erzie­hung zu för­dern und Kol­le­gIn­nen zu bera­ten. Von 2011 bis 2013 haben neun Mit­ar­bei­ten­de des juni­kum sich in unter­schied­li­chen The­men­grup­pen an der Erar­bei­tung der »Arbeits­hil­fe zum grenz­ach­ten­den Umgang, für eine gewalt­freie Erzie­hung, Betreu­ung Bera­tung und zum siche­ren Umgang bei Fehl­ver­hal­ten« der Arbeits­ge­mein­schaft der Erzie­hungs­hil­fen in der Diö­ze­se Müns­ter (AGE) betei­ligt. Das juni­kum hat sich ver­pflich­tet, nach den Grund­sät­zen die­ser Arbeits­hil­fe zu arbeiten.

Kin­der und Jugend­li­che stär­ken und schützen

2012 haben wir mit der Ein­füh­rung von Struk­tu­ren für ein Beschwer­de- und Anre­gungs­ma­nage­ment begon­nen. Wir wol­len Kin­der, Jugend­li­che und Eltern ermu­ti­gen auf sich auf­merk­sam zu machen, wenn sie sich unge­recht behan­delt füh­len oder Vor­schlä­ge zur Wei­ter­ent­wick­lung der Zusam­men­ar­beit haben. Ent­spre­chen­de Infor­ma­ti­ons­kar­ten lie­gen in allen unse­ren Häu­sern und junits aus. 2013 haben sich Mit­ar­bei­ten­de aus allen Arbeits­be­rei­chen im Rah­men der Bun­des­wei­ten Fort­bil­dungs­of­fen­si­ve (BUFO) inten­siv damit beschäf­tigt, wie Kin­der und Jugend­li­che im juni­kum gestärkt und vor sexua­li­sier­ter Gewalt geschützt wer­den kön­nen. Neben der Ver­mitt­lung von Basis­wis­sen wur­den unter der Lei­tung von Mar­tin Hell­mer (Zart­bit­ter Müns­ter) prä­ven­ti­ve Hand­lungs­mus­ter und Struk­tu­ren erarbeitet.

Für eine Kul­tur grenz­ach­ten­den Umgangs und eine gewalt­freie Erziehung

Mit den Mit­ar­bei­ten­den und mit den Kin­dern und Jugend­li­chen aller junits haben wir — ori­en­tiert am Pro­zess der Evan­ge­li­schen Jugend­hil­fe Hoch­dorf — erar­bei­tet, wel­ches Ver­hal­ten für uns inak­zep­ta­bel, kri­tisch bzw. päd­ago­gisch rich­tig ist. Alle Kin­der, Jugend­li­chen, Eltern, aber auch alle Mit­ar­bei­ten­den kön­nen dies als Ori­en­tie­rungs­hil­fe nut­zen und für Grenz­über­schrei­tun­gen sen­si­bel wer­den. Dadurch wol­len wir einen grenz­ach­ten­den Umgang und eine gewalt­freie Erzie­hung fördern.

DIESES VERHALTEN IST IMMER FALSCH: jeman­den run­ter­ma­chen vor der Grup­pe • anschrei­en, jeman­den mit Wor­ten fer­tig machen oder ver­let­zen — psy­chi­sche Gewalt • jeman­dem weh­tun, schla­gen, tre­ten, anspu­cken, wür­gen — kör­per­li­che Gewalt  • unge­rech­tes Ver­hal­ten ohne Grund oder wegen schlech­ter Lau­ne • am Po pie­ken, an unan­ge­neh­men Stel­len anfas­sen – sexu­el­le Über­grif­fe • ein­sper­ren, aus­sper­ren • bedro­hen • Taschen­geld entziehen/ Beklei­dungs­geld für ande­re Sachen nut­zen • Dieb­stahl • Daten­schutz miss­ach­ten oder Schwei­ge­pflicht bre­chen • Reli­gi­ons­frei­heit miss­ach­ten (z.B. mus­li­mi­schen Men­schen Schwei­ne­fleisch geben) • Belei­di­gun­gen • Pro­sti­tu­ti­on • Dro­gen erlauben/ dazu auf­for­dern oder zwin­gen • kein Essen, kein Trin­ken geben • Anstif­tung zu Straf­ta­ten • Intim­sphä­re ver­let­zen, z.B. ein­fach ins Bad gehen • Pri­vat­sphä­re ver­let­zen (Zim­mer, Han­dy, Post, E‑Mail, Face­book-Account) • Kin­der und Jugend­li­che aus­nut­zen • Unter­bin­dung von Fami­li­en­kon­tak­ten, grund­los • Miss­ach­tung der Men­schen­rech­te (bewusst) — Kinder/ Jugend­li­che nicht über Rech­te auf­klä­ren • sexu­el­le Bezie­hung zwi­schen Kindern/ Jugend­li­chen und Mit­ar­bei­ten­den • zwin­gen • fest­hal­ten gegen den eige­nen Wil­len ohne Gefahr für Leib und Leben • ohne anklop­fen ins Zim­mer kom­men, ohne dass Gefahr vor­liegt • unter Drogen/ Alko­hol zum Dienst kom­men • nicht auf die Kin­der und Jugend­li­chen auf­pas­sen • Gesund­heit schä­di­gen • anlü­gen, betrü­gen, nega­tiv beein­flus­sen • das Gefühl geben, nie­mals mit­ent­schei­den zu dür­fen • Eltern nicht ernst nehmen

DIESES VERHALTEN IST KRITISCH: Stim­me erhe­ben, laut reden • fest­hal­ten bei Eigen- und Fremd­ge­fähr­dung (Not­wehr oder recht­fer­ti­gen­der Not­stand) • Aus­schluss von Gruppenaktionen/ Zim­mer­zeit • Gruppenkonsequenz/ Grup­pen­stra­fe • etwas ver­lan­gen, das nicht zu schaf­fen ist • vor­schnel­les Bewer­ten und Han­deln • grund­lo­se Stra­fen (Sank­tio­nen) • jeman­dem zu nah kom­men • kein Mit­spra­che­recht • zu vie­le oder stren­ge, unnö­ti­ge Regeln • jeman­den vor­zie­hen oder lie­ber haben • Infor­ma­tio­nen ver­heim­li­chen • immer nur die Schwä­chen sehen • Igno­ranz (z.B. von Bio­gra­fie, Aus­schluss von Akti­vi­tä­ten) • sich selbst und sei­ne Wer­te als Maß der Din­ge anse­hen • Klei­dung ohne Abspra­che beschriften/nummerieren • Ver­nied­li­chung von Namen/ Kose­na­men geben gegen den Wil­len des Kindes/Jugendlichen • Kin­der und Jugend­li­che unter­schät­zen und ihnen nichts zutrau­en • nicht aus­re­den las­sen • nicht zuhö­ren, kein Inter­es­se zei­gen • Into­le­ranz (Fami­li­en­si­tua­ti­on, sexu­el­le Ori­en­tie­rung) • Bevor­mun­dung • Miss­trau­en • Ver­spre­chen nicht ein­hal­ten • Teil­nah­me­pflicht an Got­tes­diens­ten (reli­gi­ons­sen­si­ble Erziehung)

DIESES VERHALTEN IST PÄDAGOGISCH RICHTIG, gefällt Kin­dern und Jugend­li­chen aber nicht immer: Hin­weis auf Kör­per­hy­gie­ne • auf gesun­de Ernäh­rung ach­ten • Haus­auf­ga­ben beglei­ten • Schul­pflicht wah­ren • Auf­for­de­rung zur Hygie­ne im Haus und im Zim­mer • Auf­ga­ben für die Grup­pe ver­tei­len (z.B. Mit­hil­fe im Haus­halt) • fes­te Zei­ten ein­hal­ten, auch Ritua­le  (z.B. Mahl­zei­ten, Bett­zei­ten) • Teil­nah­me­pflicht an Grup­pen­ak­tio­nen • Teil­nah­me an der Hil­fe­pla­nung • Abspra­chen zur Ein­tei­lung des Taschen­gel­des • auf wit­te­rungs­ge­rech­te, ordent­li­che und alters­ge­mä­ße  Klei­dung drän­gen • Betei­li­gung an der Hil­fe­pla­nung • Infor­ma­ti­on von Eltern/ Sorgeberechtigten/ Leh­rern (im Rah­men der Schwei­ge­pflicht) • Medi­en­kon­sum regu­lie­ren • zur Selbst­stän­dig­keit anlei­ten • mit­ein­an­der Abspra­chen tref­fen unter Berück­sich­ti­gung per­sön­li­cher Bedürfnisse/Wünsche • dass Erwach­se­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen, ohne dass Kin­der mit­ent­schei­den (z.B. wenn der Schutz nicht gege­ben, Gesund­heit gefähr­det, Ent­wick­lung beein­träch­tigt, gegen Geset­ze ver­sto­ßen wird) • Zim­mer­kon­trol­le bei Gefahr im Ver­zug • Ent­schei­dung über Besu­cher in der junit in Abspra­che und/oder Erklä­rung • reden • Ver­stär­ker­plan und Smi­ley • zurück­hal­ten, wenn sonst Gefahr/ Unfall droht  • anschimp­fen, wenn jemand stört und ande­re Kin­der schlafen


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